S‘mores auf Kalliokumpu
Während einige Kollegen schon braun gebrannt aus dem Urlaub im Süden zurückkamen, standen bei uns noch die Zeichen auf Vorfreude und die Kompassnadel zeigte nach Norden, genauer gesagt nach Nordosten in Richtung Finnland.
Am 9. August begann unsere Reise wieder mit der Fahrt nach Travemünde zur Finnlines-Fähre. Schon vor Mitternacht bezogen Anke und ich sowie meine beiden Kinder die Kabine und bestellten das erste Getränk an der Bar – auf Finnisch natürlich! Für mich ist die Fähre, diesmal die Finnstar, wie eine finnische Insel, die den Urlaub in unserem Lieblingsland schon an der deutschen Ostseeküste beginnen lässt, denn die Uhren werden eine Stunde vorgestellt, die Crew spricht Finnisch, es gibt Karhu und Lonkero und duftet verführerisch nach Zimtschnecken und Kaffee.
Für die ersten 3 Tage hatten wir uns beim DFG-Partner Finnfloat eingemietet. Rebecca und Sami betreiben das Saunafloß auf dem Müggelsee bei Berlin. In Vartsala bei Kustavi im Schärenmeer vor Turku haben sie einen weiteren Ort zum Entspannen geschaffen, an dem man mitten in einem lichten Kiefernwald, umgeben von Felsen und Flechten, Urlaub im Glampingzelt machen kann inklusive Waldküche, Sauna, Außendusche, Feuerstelle und Hussi – die Kalliokumpu Ecolodge. Naturnaher geht es nicht, denn fast alles spielt sich draußen ab.
Das geräumige Lotus Belle Zelt bietet Platz für uns 4, ist mit Ofen, Tisch, Garderobe, kleinen Ablagen und Utensilien zum Kaffee- und Teekochen liebevoll ausgestattet. Uns fielen die Muurla-Becher und die Finlayson-Bettwäsche sofort ins Auge, denn auf dem Weg von der Fähre bis hierher legten wir einen Stopp im Muurla Design Shop kurz vor Salo ein. Das ist nicht nur ein Muss für Liebhaber finnischen Designs, dort gibt es auch sehr leckeres Lounas.
Nach einem herzlichen Empfang und einer kleinen Führung über das ca. 4500 m² große Gelände wurden wir in der Waldküche mit frisch gebackenen Korvapuusti, Kakao und Kaffee verwöhnt. Das Wort „verwöhnen“ gebrauchten wir öfter, denn unsere Gastgeber haben uns während des gesamten Aufenthaltes bestens bewirtet. Am Morgen wurden wir von Kaffeeduft und dem Ruf „Aamiainen“ geweckt und stärkten uns in der milden Waldluft mit frisch gebackenen Bagels und Ruisleipä. Ob Puuro mit Kardamom, Marmelade, Käse, Fisch oder Butter – der Tisch war reichlich gedeckt. Sogar an die Schokocreme für Tochter Helena hatten sie gedacht.
Abends wurde entweder an der Feuerstelle Makkara gegrillt oder es gab in der Waldküche Flammlachs mit Dillbutter, Kesäkeitto und gefüllte Roggenchips…
Abends am Feuer erhielten wir bei Karhu und Lonkero (für die Kinder gab es natürlich die alkoholfreie Version) wertvolle Tipps über die Inselwelt, mögliche Unternehmungen und zu den tierischen „Mitbewohnern“. Unser Zelt hieß nicht umsonst „Kotkanpesä“, Adlernest, denn See- und Fischadler sind hier zu Hause.
Nun fragen sich sicher einige, was „S‘mores“ sind. Rebecca und Sami hatten uns dazu eingeladen. Ein S´more besteht aus einem Marshmellow und einem Stück Schokolade, eingebettet in zwei Kekse. Wir ließen also die Marshmellows über dem Feuer schmelzen, platzierten sie mit einem Stück Fazer sininen auf einem Haferkeks und deckten dies mit einem weiteren Keks zu. So verschmolz alles zu einer leckeren Süßigkeit und uns war schnell klar, warum es S´mores heißt: Some more, please!
Wellenkreuzer
Für den nächsten Tag hatten wir einen Ausflug mit dem Kajak gebucht. Rebecca brachte uns im Geländewagen zu einer kleinen Bucht. Dort wartete Sami bereits mit den Booten. Nach einer Einweisung legten wir Schwimmwesten an, stellten die Hebel für das Ruder ein und raus ging es in die Schärenwelt. Sami führte uns ca. 1 Stunde bis zu einer Insel, auf der wir uns ausruhen konnten. Eigentlich war eine andere Schäre weiter draußen als Rastplatz vorgesehen, aber der Wind blies kräftig und ließ auf den größeren Wasserflächen unsere Kajaks ganz schön schaukeln. Da wir ungeübt waren und unsere 8-jährige Tochter dabei hatten, lenkte uns Sami etwas früher in ruhigeres Gewässer. Die warmen Felsen der Insel, die wir nach dem Anlegen erklommen, boten ideale Bedingungen für unser Picknick.
Während wir auf dem Moos die von unseren Gastgebern zubereiteten Sandwiches, Karjalanpiirakat und frisches Obst ausbreiteten, kochte Sami auf finnische Art Kaffee in einer Blechkanne auf einem Campinggaskocher. So ließ es sich aushalten! Nebenbei erhielten wir sachkundige Erklärungen zur Natur der Schärenküste, denn Sami hat unter anderem auch Biologie studiert und kennt sich mit Flora und Fauna bestens aus.
Frisch gestärkt, aber schon mit etwas schweren Armen kehrten wir zu den Kajaks zurück. Der Wind hatte noch etwas zugenommen. Der Rückweg durch das aufgewühlte Meer war nicht einfach. Sami rief „Wellen kreuzen!“ und gab die Zickzackroute vor, die uns sicher wieder zwischen die größeren Inseln brachte, hinein ins Lee und damit ins leichtere Fahrwasser. Während mein großer Sohn in seinem Einer kraftvoll um uns herum paddelte, machte ich mir schon Sorgen, wie lange meine Tochter im Sitz vor mir noch durchhalten wird. Doch meine Sorgen waren unbegründet. Sie paddelte wie ein Weltmeister und brachte unser Kanu sicher zurück zum Steg, wo Rebecca schon auf uns wartete.
Waldbaden
Schon beim ersten Rundgang auf der Kalliokumpu Ecolodge waren sie mir aufgefallen: Die Kissen an manchen Baumstämmen.
Natürlich wollte ich von Rebecca wissen, was es damit auf sich hat. „Damit es beim Bäume umarmen angenehm an der Wange ist.“, antwortete sie auf meine Frage. Ich musste schmunzeln, denn das Bäumeumarmen hatte mir schon meine Tochter im heimischen Park vor unserer Haustür beigebracht. Dort steht ihre Lieblingseiche! Wer noch nie einen Baum umarmt hat, wird sich denken, das sei etwas für Esoteriker. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass so ein Baum eine ungeheure Kraft und Ruhe ausstrahlt, die sich beim Umarmen auf einen überträgt und kann nur jedem empfehlen, es einmal zu versuchen.
So wurden auch hier die Kiefern von uns herzlich gedrückt!
Neben den Ausflügen zum Handwerkshof Käsityökylä in Parattula und zur Tierfarm Kotieläinpiha in Rahi fuhren wir noch bis ans südliche Ende der Insel Vartsala nach Vuosnainen und begaben uns auf einen Naturpfad direkt an den Klippen. Es gab Kunstwerke zu bestaunen und sogar eine begehbare Camera obscura. Meist war der Blick frei und wir konnten aufs Meer hinaus blicken auf weitere Inseln des Archipels. Dazu rollten an diesem Tag bei kräftigem Südwestwind und Nieselregen die Wellen geräuschvoll auf die Felsen.
Die noch verbleibende Zeit nutzten wir für ausgedehnte Spaziergänge durch den Wald um unser Zelt. Dieser bestand aus Kiefern, Fichten und Birken auf felsigem bis moosigem Untergrund.
Die Felskuppen waren üppig mit Flechten bewachsen, die, wie Sami uns berichtete, nur wenige Millimeter pro Jahr wachsen. Darum gibt es Bereiche auf der Lodge, die nicht betreten werden durften, um sie nicht zu zerstören.
Der Untergrund war übrigens Namensgeber für das Areal, denn Zelte, Wohnhaus und Sauna gruppieren sich um solch eine bewachsene Felskuppe, auf Finnisch Kalliokumpu.
Was uns bei all den schönen Erlebnissen besonders in Erinnerung bleiben wird, ist der Waldduft, der uns umgab beim Aufwachen am Morgen, beim Duschen nach der Sauna, beim Essen in der Waldküche und beim Einschlafen. Es war ein Gemisch aus Kiefernharz, Fichtennadeln, Rinde, Erde, Birkenblättern, Pilzen und Blaubeeren.
Waldbaden – so nennen es auch unsere Gastgeber auf ihrer Internetseite www.kalliokumpu.com. Noch bis Mai können Sauna-Events auf dem Müggelseefloß unter www.finnfloat.de gebucht werden. Es werden auch Reisen angeboten. Hier erhaltet ihr 5 % DFG-Rabatt.
An dieser Stellt geht der Reisebericht weiter. Wer Interesse hat schaut dazu in eine der nächsten Ausgaben der Deutsch-Finnischen Rundschau. Dann erschließt sich auch die Überschrift über diesem Artikel, denn es geht weiter bis nach Hamina zur weltgrößten Finnlandflagge…
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